Kritik: SIEBEN SCHWARZE KLINGEN

Bewertung: 3 von 5.

Sieben schwarze Klingen von Sam Sykes

My rating: 3 of 5 stars

Panzerartige Maschinen, Windmagier, Portalmagier, Belagerungsmagier, Heilmagier, Nachtmagier, (lufthol) Gestaltwandler, Freimacherinnen, Unhunde, Tangbräute, Grukai, Aschmäuler, Vagranten…klingt nach ziemlich viel für ein einziges Buch? Ist es auch. Sam Sykes ‚Sieben schwarze Klingen‘ ist bis zum Buchrand vollgepackt mit Informationen über seine Welt und deren Bewohner. Seine Protagonistin Sal bahnt sich ihren blutigen Weg durch eine Welt voller Überraschungen und Gefahren, und sie tut dies in einer Mischung aus Wildwest-Stil und tarantinoesker Kampfinszenierung, inklusive dramatischer Herausforderung und ausgiebigem Blutvergießen.

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Aber immer der Reihe nach, beginnen wir ganz vorn – am Anfang. Das Buch beginnt mit Sals Befragung in einem Gefängnis, das die Rahmenhandlung darstellt. Ganz wie Vaelin Al-Sorna in ‚Blood Song‘ erzählt die gefangene Sal ihrer Kerkermeisterin das große Epos davon, wie genau sie in diesem Schlamassel gelandet ist. Seit Patrick Rothfuss ‚Der Name des Windes‘ ist dieser erzählerische Kniff wiederholt in Fantasyromanen zu finden, aber anders als in Rothfuss‘ Weltbestseller erfüllt er hier keinen wirklich bahnbrechenden Zweck für die Handlung: wenn Sals Jagd auf die 7 einfach ohne die Zwischeneinschübe mit ihrer Kerkermeisterin erzählt worden wäre, würde ich nichts vermissen. Das, was dadurch erreicht wurde, hätte man auch an anderer Stelle einbauen können.

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Apropos 7: hierbei handelt es sich um sieben Magier, die unserer Protagonistin großes Leid zugefügt haben und die sie daher in einer Mischung aus Uma Thurman und Roland Deschain über den ganzen Kontinent jagt, um sich blutige Rache zu verschaffen. Womit wir bei meinem zentralen Problem mit diesem Roman sind: Vendetta, die Rache.


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Ich liebe Bücher über gerechtfertigte Rache. Sie sind das Salz in meiner Suppe, ich könnte Edmond Dantes und all den anderen noch hunderte Male dabei zusehen, wie sie sich Vergeltung verschaffen – weil sie sympathische Charaktere sind. Und das genau das war Sal für mich zu keinem einzigen Zeitpunkt dieses Romans, denn Sykes‘ Heldin ist die Personifizierung eines unsympathischen Menschen. Sal ist grimmig, egoistisch, vulgär und anstrengend. Selbst ihr sprechender Monsterrevolver, das Kakophon, war mir sympathischer als die Hauptfigur. Im Wesentlichen lässt sich ihr Horizont im folgenden Zitat ganz nett festhalten:

„Warum reden wir dann niemals über das, worüber ich gerne reden möchte?“, stellte ich (Sal) sie zur Rede.
„Weil wir bereits die gesamte Konversationsbandbreite von Knarren, Titten und Whiskey durchgehechelt haben.“


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Im Prinzip sind Rache und diese drei Begriffe alles, was unsere bisexuelle Antiheldin interessiert. Überraschenderweise ist die sympathischste, schlauste Person im ganzen Buch, Liette, natürlich trotzdem an ihr interessiert und rettungslos in sie verliebt, obwohl Sal sie wie Dreck behandelt. Warum das so ist, erschließt sich mir nie.

Nächstes Problem: die Erzählweise und Handlung. Im Prinzip ist ‚Sieben schwarze Klingen‘ eine Kombination aus Kill Bill und Der Dunkle Turm. Wie die Braut und Roland jagt Sal unbarmherzig denen hinterher, die ihr Unrecht getan haben – und ganz wie in Tarantinos Filmen tauschen die Duellanten hier seitenlange Dialoge aus, bevor sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Wie der Titel allerdings schon verrät, geht es hier um sieben Feinde, mit denen Sal die Klingen und Kugeln kreuzt (plus der ein oder andere Extrafeind am Rande des Wegs). Ein Dialog mit dem Erzfeind vor der großen Konfrontation schön und gut, aber das ganze gleich sieben Mal? In einem Buch? Es war mir zu viel. Ebenso zu viel wie die ausufernde Vulgarität. Beispiel gefällig?

„Denk an deine Scheißmanieren, du vertrocknete alte Kackwurst.“

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Jenseits dieser Kritikpunkte ist es im letzten Drittel ein durchaus lesenswerter Roman mit der ein oder anderen Überraschung, der aber dennoch gnadenlos überfrachtet bleibt: zu viele Gegenspieler, zu viele verschiedene Monster, zu viele verschiedene Male, bei denen Sal fast auf der Strecke bleibt und dann doch wundersam überlebt – und generell zu viel von Sal.
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Vielen Dank an Netgalley und den Verlag für ein Freiexemplar dieses Buchs im Gegenzug für eine ehrliche Kritik.

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