Kritik: DIE LEGENDE VON ENYADOR

Bewertung: 1 von 5.

von Mira Valentin

„Ein Hauch von Verzweiflung wehte durch sein Herz…“


…und auch durch meins, denn das hier war eine ziemliche Katastrophe, die mir ganz und gar nicht gefallen hat.

„Ihre nackten Waden und der Übergang zwischen ihrem Hals und ihren Brüsten blitzten immer noch unter der Schicht derber Wolle hervor.“
„So nackt, wie die Götter sie erschaffen hatten, stand die Drachenfrau nun vor ihm, den feurigen Blick weiterhin nur auf ihn gerichtet.“

Natürlich muss der Blick als feurig bezeichnet werden, schließlich ist sie ein Drache. Oh Gott, oh Graus, man wird hier geradezu erschlagen von der endlosen Anzahl nackter Brüste und Hinterteile, die praktisch auf jeder zweiten Seite dem Leser entgegenspringen und auf die sich die testosterongesteuerten Charaktere begieriger stürzen als Garfield auf ein Kilo Lasagne. Fortwährend entpuppen sich Drachen als lüsterne, potenzielle Gespielinnen für die männlichen Helden, und auch der tierisch gutaussehende, gemeine Elfenprinz hat natürlich einen weichen Kern und verfällt der Heldin. Wer’s mag…ich jedenfalls nicht.

„Hey, was brabbelt ihr da?“

Abgesehen von den verschlungenen Körperteilen und Beziehungen ist die Sprache eine einzige Zumutung. Innerhalb weniger Sätze wird das Lexikon mehrmals gewechselt – von würdevollem, gesteltztem Talk à la ‚Hoheit‘ zu modernem Slang und zurück. Und die Handlung, abgesehen von wildem Kopulieren, schlechten Dialogen, Charakteren, denen alles gelingt und akutem Überschuss an Deus ex Machina? Schrecklich. Umso schrecklicher, weil mir die ersten Seiten, diese einleitende Erzählung zum Worldbuilding, wirklich gut gefallen hatte. Was danach kam, wurde mit jeder Seite schlimmer.

Last but very much not least: es gibt in diesem Buch einen Drachen namens Saphira. Und das, meine Damen und Herren, ist eine an Dreistigkeit nicht zu überbietende Frechheit. Ein so offensichtliches, freches Plagiat einzubauen, das hat schon was. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Drachendame hier einfach zufällig genauso heißt wie die in Eragon? Wenn ich Christopher Paolini wäre, würde ich Frau Valentin bis nach Jericho und wieder zurück verklagen.

Zusammenfassung: wirklich schlecht. Die Tatsache, dass dieses Buch offenbar für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert wurde, macht mich fassungslos. Offenbar geht es der deutschen Fantasy schlechter als dem HSV.

Ein Kommentar zu “Kritik: DIE LEGENDE VON ENYADOR

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