Rezension: KINGSBRIDGE – DER MORGEN EINER NEUEN ZEIT (KINGSBRIDGE #4)

Bewertung: 2 von 5.

von Ken Follett


12/25 (48%) 2 Sterne.
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Lieber Ken Follett,

danke für alles, aber hier geht unser gemeinsamer Weg zu Ende. Du musst nicht traurig sein: Seit dem Moment, in dem ich „Die Säulen der Erde“ zum ersten Mal gesehen habe, haben deine Bücher mir sehr viel gegeben. Du hast sicher großen Anteil daran, dass sich bei mir der Wunsch durchgesetzt hat, Geschichtslehrer zu werden: Tom, Phillip und Aliena, sogar William, sie alle haben mich für das englische Mittelalter begeistert. Danke für die schönen Stunden, die tollen Figuren, danke, dass du mich für dieses Genre begeistert hast. Ich bin dir weiter gefolgt, und obwohl ich vieles immer noch genossen habe, wurde es doch irgendwann seltsam. Ich las die Pfeiler der Macht und war begeistert. Ich las die Tore der Welt und wurde misstrauisch. Ich las die Jahrhundert-Trilogie und bekam leichte Bauchschmerzen. Dann kam „Das Fundament der Ewigkeit“, und aus den Bauchschmerzen wurden Migräne, denn ich hatte erkannt, dass du am Ende doch immer nur das gleiche Buch schreibst, die gleichen Figuren auf die Reise schickst, dass sogar das Ende der Reise immer das gleiche bleibt. Und das liegt nicht daran, dass du einen historischen Roman schreibst, bei dem die Geschichte dem Autor nun mal vieles vorgibt, nein, daran liegt es nicht. Es liegt daran, dass du offenbar außerstande oder schlichtweg nicht bereit bist, mal einen neue Figur oder eine neue Geschichte zu schreiben. Denn du schreibst auch jetzt, so viele Jahrzehnte später, immer noch nur „Die Säulen der Erde.“
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Doch, Ken. Glaub mir, es ist so. Nur, weil du deinen Figuren andere Namen gibst, ändert sich nicht plötzlich, wer sie sind. Du hast immer den genialen Autodidakten vom Typ „Jack“, immer seine spätere Frau „Aliena“, die aus der Oberschicht stammt und sich trotzdem für den einfachen Bauerntölpel interessiert, immer den weisen Oberhirten „Phillip“, immer den hirnlosen Grobian „William“ und auch immer den ebenso fiesen, aber etwas schlaueren Bischof der Marke „Waleran“. Alle anderen sind im Prinzip dumme Hinterwäldler. Es mag anderen Leuten gefallen, immer wieder die gleiche Geschichte, tausend Seiten aufgewärmten Kaffee von vorgestern in strengem Schwarz und Weiß, ganz ohne Grauzonen: Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich erwarte von einem Schriftsteller, dass er auch mal bereit ist, eine neue Geschichte zu erzählen. Eine neue Stimme einzubringen. Einen anderen Handlungsbogen zu schlagen. Und du tust das nicht. Alles, was mit diesen Figuren passiert, ist ihnen in den Säulen der Erde schon passiert, oder spätestens in „Die Tore der Welt“, inklusive der obligatorischen Vergewaltigung der weiblichen Hauptperson.
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Schlimmer noch: auch deine Prosa gefällt mir nicht mehr. Es mag daran liegen, dass ich die Spitzen literarischer Brillanz gesehen habe, die sich in einem historischen Roman manifestieren kann: Es tut mir leid, aber du bist nicht Hilary Mantel oder Dorothy Dunnett. Nicht mal Rebecca Gablé. Dein Schreibstil in diesem Buch ist eine abgehackte, übersimplifizierte Verstückelung. Viel zu kurze Sätze, viel zu gestelzte Dialoge. Außerdem begehst du auf jeder einzelnen Seite die schlimmsten Kardinalfehler der Schriftstellerei: du erklärst alles explizit, was du nur zeigen müsstest, du wirfst mit nutzlosen Details um sich, die nichts mit der Geschichte zu tun haben. Show, don’t tell, Ken. Manchmal ist weniger mehr.
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Unsere Geschichte war schon nach „Das Fundament der Ewigkeit“ am Boden. Stell dir vor: Ich habe es mir während meines Auslandsaufenthalts in England gekauft, für einen absurd hohen Preis, und mochte es nicht. Als ich dann schließlich zurückfliegen wollte, hatte mein Koffer ein halbes Kilo Übergewicht. Und weißt du, was ich am Flughafen Gatwick zurückgelassen habe? Dein Buch, Ken. So schlecht fand ich es. Trotzdem habe ich dir noch eine letzte Chance gegeben, obwohl mir ja schon der Klappentext verriet, dass es wieder die gleichen Figuren sind. Aber ich hatte doch noch dieses kleine Pflänzchen Hoffnung: Hoffnung, dass wenigsten die Geschichte eine andere ist. Und diese Hoffnung hat sich nicht bewahrheitet.
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Also ist es aus, Ken. Ich werde nie mehr ein Buch von dir lesen. Ich danke für die schöne Zeit, aber ich fürchte, ich bin deinen immer gleichen Figuren und Geschichten entwachsen, und erst recht deinem Schreibstil. Aber hey, es gibt so viele Leute, die auch dieses Buch lieben. Ich bin sicher, auf mich bist du nicht angewiesen.

Alles Gute,
Klaus
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Dialoge 2
Setting 4
Charaktere 2
Schreibstil 2
Handlung 2

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